Gutes Leben statt Wachstum: Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz – eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung

Von Matthias Schmelzer

Der folgende Artikel wird in erweiterter Form im “Atlas der Globalisierung” erscheinen. Der neue Atlas, herausgegeben von Le Monde diplomatique und dem Kolleg Postwachstumsgesellschaften (Universität Jena) wird unter dem Motto “Weniger wird mehr. Der Postwachstums-Atlas” auf verschiedene Aspekte von Wachstum und Postwachstum konzentrieren. Er erscheint in einer kostenfreien Vorabversion zur Degrowth-Konferenz 2014 und als Vollversion im Frühsommer 2015.

Postwachstum. Degrowth. Décroissance. Das sind die Schlagworte einer wachsenden europäischen Bewegung von Aktivisten und Wissenschaftlerinnen, die das vorherrschende Entwicklungsmodell des kontinuierlichen kapitalistischen Wachstums kritisiert. Gesucht werden Alternativen – welche unterschiedlichen Ansätze werden diskutiert. weiterlesen

Wirtschaftswachstum steht einem guten Leben für alle entgegen

Von Matthias Schmelzer

Aktuell gibt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Kontroverse zu Wachstumskritik. Vor einer Woche hat Rainer Hank unter dem Titel „Wachstum im Schneckentempo ist in” in der FAZ einen sehr kritischen Beitrag zur „Degrowth-Bewegung” geschrieben. Darauf antwortete Matthias Schmelzer in einer Replik, die in gekürzter Fassung am 23. Oktober 2016 in der Frankfurter Sonntagszeitung erschienen ist und die wir hier ungekürzt veröffentlichen.

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Interview: “Wir brauchen Widerstand – sonst wird uns der Klimawandel die Perspektive für ein gutes Leben für alle nehmen.”

Vom 19. bis 23. August 2016 findet die 2. Degrowth-Sommerschule auf dem Klimacamp im Rheinland statt. Unter dem Motto “Skills for System Change” wird es mit einem vielfältigen Programm um gelebte Alternativen zum aktuellen Wirtschaftssystem gehen. Nachdem die Sommerschule zu Ende gegangen ist, beginnt auf dem Klimacamp das “Aktionslabor”, das vom 24.-29. August geht. Was es damit auf sich hat und wie man mitmachen kann, erklären Melanie und Milan, die an der Vorbereitung des Aktionslabors beteiligt sind. weiterlesen

Eine glitzernde Bewegung? Workshop „Postwachstum – sozial-ökologische Perspektiven für linke Politik“

von Jana Holz und Elena Hofmann

Was hat die Degrowth-Konferenz gebracht? Und wie geht es weiter? Eine erste Gelegenheit zur Auswertung und zum Ausblick bot die Rosa-Luxemburg Stiftung Berlin mittels eines Workshops „Postwachstum – sozial-ökologische Perspektiven für linke Politik“ am 30/31. Oktober. Die Stiftung lud zum Austausch und zur Vernetzung Interessierte aus den eigenen Reihen und dem breiteren grün-roten Umfeld ein. Um die 35 Personen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft nahmen die Einladung an. Der Fokus lag dabei auf der Frage was „Postwachstum“ und „sozial-ökologische Transformation“ für die Arbeit der rot-rot-grünen politischen Akteure konkret bedeuten. Hierbei stellte sich für die Teilnehmenden die Frage, inwieweit auf Basis dieser Konzepte das rot-rot-grüne Projekt weiter ausgebaut werden könnte. weiterlesen

Subsistenz, Zumutbarkeit und Wachstum

Von Sebastian Thieme

Der Wachstumsdiskurs muss im redlichen Sinne die Gründe erwägen, die für oder gegen Wachstum und bestimmte Wachstumsformen sprechen. Er hat darüber hinaus aber auch unvermeidbares Wachstum zu berücksichtigen und zu klären, wie damit in zumutbarer Weise umzugehen ist. Ich glaube, dass der Begriff der Subsistenz eine Orientierung dazu bietet. Im Beitrag erläutere ich, was ich unter „Subsistenz“ verstehe und welche moralische Bedeutung Subsistenz hat. Schließlich stelle ich einige Bezüge zur Postwachstumsdebatte her. weiterlesen

Wachstumsneutrales Wirtschaften – Unternehmen in der Postwachstumsökonomie

Von Daniel Deimling

Bestehende Ansätze der Postwachstumsökonomik entspringen allesamt der gesamtwirtschaftlichen Perspektive. Die einzelwirtschaftliche Dimension einer Wirtschaft ohne Wachstum blieb bislang weitgehend außer Acht. Diese Forschungslücke ist frappierend, da volkswirtschaftliche Konzepte mit dem Ziel einer Wachstumsrücknahme wie das bedingungslose Grundeinkommen, die Umverteilung von Erwerbsarbeit, zinslose Geldsysteme oder Suffizienz zwar notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für tragfähiges wachstumsneutrales Wirtschaften sind. Konstitutiv für eine Postwachstumsökonomie sind Geschäftskonzepte und Unternehmensformen, die eine Wachstumsrücknahme unterstützen und gestalten. Diese habe ich in einer Forschungsarbeit untersucht. Die zentralen Ergebnisse stelle ich hier kurz dar. weiterlesen

Ein ressourcenarmer Lebensstil, schön und gut – aber wie lässt sich dieser erreichen?

Von Ines Küster

Was ist ein gutes Leben und wie kann man ein gutes Leben leben? Eine Frage, die jeder einzelne für sich beantworten muss? Nein, sagen Uwe Schneidewind und Angelika Zahrnt in ihrem Buch „Damit gutes Leben einfacher wird“. Das gute Leben sei auch ein politisches Thema, denn die Politik muss die Bedingungen und Möglichkeitsräume für ein gutes Leben schaffen. Suffizienzpolitik stehe zum einen für eine Ordnungspolitik, die die gesamte Breite aller Wohlstandsfaktoren einbezieht und sich nicht auf ökonomisches Wachstum beschränkt und zum anderen für eine gesellschaftliche aufgeklärte Politikgestaltung, die versteht, dass individuelles Handeln immer in institutionelle und gesellschaftliche Kontexte eingebettet ist. weiterlesen

Gutes Leben durch Solidarität statt Verzicht – Interview mit Barbara Muraca und Tanja von Egan-Krieger (Teil II)

Von Andrea Vetter

Auf der Tagung der Attac Gender AG "Schneewittchen rechnet ab" am 3. November 2012 arbeiteten über 100 Teilnehmer_innen gemeinsam dazu, was (queer-)feministische Ökonomie leisten kann. Wo stößt sie an Grenzen und wie kann eine sinnvolle Weiterentwicklung gedacht werden? Welche Alternativen der Arbeit und der Produktion gibt es? Und nicht zuletzt: Wie wollen wir leben? Im Anschluss an die Tagung ist eine Publikation mit Artikeln und Interviews der Referent_innen und Künstler_innen erschienen. Aus einem der Gespräche werden an dieser Stelle in loser Folge Teile veröffentlich. Barbara Muraca und Tanja von Egan-Krieger sprechen in diesem Interview über "Gutes Leben jenseits des Wachstums – Entwürfe und Kritik feministischer Ökonomik". Im zweiten Teil des Interviews steht die Frage im Mittelpunkt, welche alternativen Zielsetzungen von Wirtschaften denkbar sind. weiterlesen

Das Verhältnis von Emanzipation und Wachstum – Interview mit Barbara Muraca und Tanja von Egan-Krieger (Teil I)

Von Andrea Vetter

Auf der Tagung der Attac Gender AG "Schneewittchen rechnet ab" am 3. November 2012 arbeiteten über 100 Teilnehmer_innen gemeinsam dazu, was (queer-)feministische Ökonomie leisten kann. Wo stößt sie an Grenzen und wie kann eine sinnvolle Weiterentwicklung gedacht werden? Welche Alternativen der Arbeit und der Produktion gibt es? Und nicht zuletzt: Wie wollen wir leben? Im Anschluss an die Tagung ist eine Publikation mit Artikeln und Interviews der Referent_innen und Künstler_innen erschienen. Aus einem der Gespräche werden an dieser Stelle in loser Folge Teile veröffentlich.

Barbara Muraca und Tanja von Egan-Krieger sprechen in diesem Interview über "Gutes Leben jenseits des Wachstums – Entwürfe und Kritik feministischer Ökonomik". Im ersten Teil dieses Interviews steht die Frage im Mittelpunkt, warum aus einer feministischen Sicht Wirtschaftswachstum zu kritisieren ist. weiterlesen

Revolution predigen und Karottensaft trinken? – Ansprüche und Praxis der Degrowth-Bewegung 

von Jana Holz und Miriam Fahimi

Während sich andere Workshops der Sommerschule zu Degrowth und Klimagerechtigkeit zum Beispiel mit dem Emissionshandel, den sozialen Konditionen des Klimawandels, makroökonomischen Bedingungen von Postwachstumsgesellschaften beschäftigten, haben wir uns vor allem mit uns selbst auseinander gesetzt. Dieses mit-sich-selbst-auseinander-setzen, das wurde jedoch schnell allen klar, ist von großer Wichtigkeit für die Bewegung, ihre Zukunft und ihr Selbstverständnis. weiterlesen

Eine Geschichte von Degrowth

Eine Geschichte von Degrowth

Die Geburt des Wortes „décroissance” (französisch für Degrowth oder Postwachstum) und damit der Ursprung einer Idee kann in das Jahr 1972 zurückdatiert werden. Der Sozialphilosoph André Gorz fragte bereits damals, ob das „Gleichgewicht der Erde, für welches ein Nullwachstum – oder sogar eine Wachtsumsrücknahme – der materiellen Produktion eine notwendige Voraussetzung ist, mit dem Überleben des kapitalistischen Systems vereinbar sei”. Wir beantworten diese Frage heute mit „Nein”, aber das ist eine andere Geschichte. Im gleichen Jahr wurden “Die Grenzen das Wachstums” vom Club of Rome veröffentlicht. Sie entfachten eine breite Diskussion, in der in Frankreich auch der Begriff „décroissance” immer wieder auftauchte. Weitere Intellektuelle dieser Zeit beeinflussten diese frühe Degrowth-Diskussion. Darunter Nicholas Georgescu-Roegen, Jacques Grinevald und Ivo Rens. Mit dem Ende der Ölkrise und dem sich ausbreitenden Neoliberalismus traten die Diskussionen allerdings in den 1980er und 1990er Jahren in den Hintergrund. In den 1970er Jahren bekam die Wachstumskritik also einen Namen. Die Kritik an sich und das Nachdenken über Alternativen bestand hingegen schon lange vorher. So haben zum Beispiel die ersten Ökonomen die von Wirtschaftswachstum sprachen, dies nie als ein auf immer gültiges Rezept, sondern als einen vorübergehenden Zustand betrachtet.

30 Jahre nach der ersten Erwähnung von „décroissance” begannen in Lyon das, was wir heute die Degrowth-Bewegung nennen. Das Magazin „Silence” veröffentlichte 2002 ein Sonderheft zum Thema „décroissance”, welches auf großes Interesse stieß. Es wurde zweimal nachgedruckt und insgesamt 5.000 Mal verkauft. In den durch diese Veröffentlichung geschlagenen Wellen fanden Lyoner Umweltschützer_innen und Pariser Entwicklungskritiker_innen in der Wachstumskritik zusammen. Immer mehr Stimmen sprachen von „décroissance”. Zudem wurde in Lyon das „Institute for Economic and Social Studies on Sustainable Degrowth“ gegründet, welches im nächsten Jahr ein Symposium zum selben Thema ausrichtete. An diesem nahmen viele der heute in der Degrowth-Debatte bekannten Autor_innen teil, wie Serge Latouche, Mauro Bonaiuti, Paul Ariès, Jacques Grinevald, François Schneider und Pierre Rabhi. In Lyon gab es jedoch nicht nur wissenschaftliche Diskussionen, sondern es wurde auch für eine auto- und werbefreie Stadt protestiert, es gab gemeinschaftliches Essen in den Straßen und die Gründung von Lebensmittelkooperativen.

Im Jahr 2004 schwappten die Ideen nach Italien und 2006 nach Katalonien und Spanien. Dort wurden sie als „decrescita“ bzw. als „decreixement“ und „decrecimiento“ aufgegriffen. Die Zeitung „La Décroissance, le journal de la joie de vivre“ (deutsch: Postwachstum, das Magazin für Lebensfreude) wurde in Frankreich gegründet und Francois Schneider zog unter großer Medienaufmerksamkeit mit einem Esel durchs Land, um mit Menschen über Degrowth zu sprechen.

Einige Jahre nach seine Eseltour gründete Francois Schneider zusammen mit Denis Bayon und Fabrice Flipo 2007 die akademische Organisation Research and Degrowth (R&D), welche die internationalen Degrowth-Konferenzen initiiert hat und seitdem begleitet. Die erste internationale Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit fand 2008 in Paris statt. In der Konferenz wurde der englische Begriff „Degrowth“ verwendet und so auch in die internationale wissenschaftliche Debatte eingebracht. Mit der zweiten Degrowth Konferenz, die 2010 in Barcelona organisiert wurde, entstand der heute aktivere spanische Teil von R&D. Weitere internationale Degrowth-Konferenzen fanden 2012 in Venedig und 2014 in Leipzig statt. Die Konferenzen erleben seit 2008 einen Zuwachs an Interesse und Teilnehmenden, sowohl von Wissenschaftler_innen diverser Disziplinen als auch von Aktivist_innen und Praktizierenden. Sie dienen als Treffpunkt, Diskussions-, Lern- sowie Vernetzungsort und bringen der Bewegung immer mehr Aufmerksamkeit. Seit 2008 wurden über 100 wissenschaftliche Texte zum Thema Degrowth in internationalen Journalen und mehrere spezial Ausgaben (special Issues) herausgegebenen, zudem gibt es mittlerweile zahlreiche Bücher in verschiedenen Sprachen in weiten Teilen des Globalen Nordens. Degrowth ist inzwischen auch ein Thema an Universitäten und wird in der internationalen sowie der deutschen Presse diskutiert (Le Monde, Le Monde Diplomatique, El Pais, The Guardian, The Wall Street Journal and Financial Times, Frankfurter Rundschau, Taz, Der Spiegel, Die Zeit, Der Freitag).

Degrowth im deutschsprachigen Raum

In den 1970er Jahren war Wachstumskritik auch in Deutschland in der Öffentlichkeit weit verbreitet. Magazine wie „Technologie und Politik. Das Magazin zur Wachstumskrise“ (1976-1983) diskutierten Alternativen zur Wachstumsgesellschaft, ganze Taschenbuchreihen in großen Verlagen wie Fischer oder Rowohlt widmeten sich diesen Fragen. Auch die neu gegründete Partei „Die Grünen“ hatte einen starken Flügel, der eine Abkehr vom Wirtschaftswachstum forderte. Mit den Konzepten der „nachhaltigen Entwicklung“ und der „ökologischen Modernisierung“, die in den 1980er und 1990er Jahren populär wurden, wurden diese Diskurse jedoch in den Hintergrund gedrängt und die Idee von „qualitativem“ oder „grünen“ Wachstum und einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch dominierten. Trotzdem gab es in den 1990er und 2000er Jahren mehrere große Konferenzen in Deutschland, bei denen das Thema Wachstumskritik eine zentrale Rolle einnahm, so die “Beyond Growth?” Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung 1999 in Berlin oder die Konferenzreihe McPlanet, getragen von globalisierungskritischen, kirchlichen und Umweltverbänden (fünf Konferenzen in Berlin und Hamburg zwischen 2002 und 2012). Wobei diese erst in den späten 2000er Jahren wieder stärker öffentlich wahrnehmbar wurden. In dieser Zeit kamen außerdem weitere Stimmen hinzu:

So gibt es zum Beispiel seit 2008 die regelmäßig stattfindende Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie an der Universität Oldenburg. Organisiert wird sie von den Ökonomen Niko Paech und Werner Onken. Hier kommen diverse wachstumskritische Akteure und vor allem Wissenschaftler_innen zu Wort. Außerdem besteht seit 2010 mit dem Erscheinen des Buches „Postwachstumsgesellschaft” von Irmi Seidl und Angelika Zahrnt der „Blog.Postwachstum“, der seitdem Teile der deutschen Postwachstumsdebatte abdeckt.

Im Jahr 2010 wurde das Netzwerk Wachstumswende von einigen jungen Mitgliedern der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) gegründet, in dem sich wachstumskritische Individuen vernetzen und austauschen. Die VÖÖ hatte bei einer Tagung im gleichen Jahr ein neues Leitbild formuliert, in dem sie sich inhaltlich an „Wirtschaft ohne Wachstum“ ausrichtet. Im gegründeten Netzwerk Wachstumswende gibt es seit 2010 lokal Gruppen die für Degrowth aktiv sind, Vortragsangebote, Onlinediskussionen etc.. 2011 hat sich zudem der Förderverein Wachstumswende gebildet, der das Netzwerk langfristig stützt und das Portal Wachstumswende.de betreibt. Im gleichen Zeitraum ist auch das Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig entstanden. Dieses entwickelt, verbreitet und vermittelt Konzepte für eine soziale, umweltgerechte und demokratische Wirtschaft. Seit 2013 ist Degrowth ein Schwerpunktthema des Konzeptwerks. Neben dem Förderverein Wachstumswende und dem Konzeptwerk gibt es mittlerweile viele weitere Akteure, die zum Thema Degrowth arbeiten, was zum Beispiel auch die Vielzahl an Veranstaltungen auf der Degrowth Konferenz gezeigt hat.
Seit dem Entstehen des globalisierungskritischen Netzwerks „Attac“ in Deutschland 2001 war Wachstumskritik dort ein Thema. 2009 veröffentlichten Matthias Schmelzer und Alexis Passadakis aus dem Attac-Koordinierungskreis ein Thesenpapier zu Postwachstum, 2010 einen Attac-Basistext. Aus dieser Initiative entstand die Vorbereitungsgruppe zum Kongress „Jenseits des Wachstums?!“, der 2011 in der TU Berlin etwa 3000 Menschen anzog und unter großer Beteiligung entwicklungs- und umweltpolitischer Gruppen und Verbände und gewerkschaftlicher Beteiligung statt fand.

Auch auf bundespolitischer Ebene wurde über Wachstum gesprochen. Von 2011 bis 2013 arbeitete eine Enquete-Kommission des Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“. Die Wirkung der Kommission wurde unterschiedlich bewertet. Sie hat dazu beigetragen, dass Wachstumskritik auch in offiziellen politischen Kreisen salonfähig wurde und das Thema immer wieder in den Medien aufgegriffen wurde. Auch zeigt die Kommission in einem ausführlichen Bericht unter anderem auf, dass Entkoppelung keine Lösung für die herrschenden ökologischen und sozialen Probleme ist. Allerdings wurde eine progressive Diskussion durch die damalige schwarz-gelbe Koalition und einige Sachverständige behindert. Im Ergebnis bietet der Abschlussbericht daher wenig konkrete Handlungsempfehlungen und keine Vision einer Gesellschaft, die nicht mehr wachsen muss.
Meilensteine der Degrowth-Bewegung in Deutschland sind sicherlich der bereits erwähnte von Attac organisierte Kongress „Jenseits des Wachstums“, sowie die internationale Degrowth Konferenz, die 2014 in Leipzig über 3.000 Besucher_innen zählte. Beide Konferenzen brachten Wachstumskritiker_innen verschiedener Bewegungen zusammen und tragen zu der national und international größer werdenden Debatte über Degrowth bei.

Degrowth wird durch verschiedene Projekte in Deutschland weiter thematisiert – den aktuellen Stand entnehmen Sie am besten den anderen Teilen dieser Webseite.

Quellen

D’Alisa, Giacomo, Federico Demaria and Giorgos Kallis (edit.) 2014. Degrowth: A Vocabulary for a New Era, Routledge.
Muraca, Barbara . Décroissance; A project for radical social transformation. Environmental Values 22 (2013): 147–169.
Schmelzer, Matthias 2014: Gutes Leben statt Wachstum: Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz – eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung. Blogbeitrag Juli 2014 auf www.degrowth.de. Link zum Blogbeitrag
Ulrich Brand 2014. Degrowth: Der Beginn einer Bewegung?. Die Blätter für deutsche und internationale Politik. 10/2014, Seite 29-32. Link zum pdf

Was ist degrowth – Texte

Mehr zum Lesen

Matthias Schmelzer 2014: Gutes Leben statt Wachstum: Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz – eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung
> Blogbeitrag Juli 2014 auf www.degrowth.de.
In diesem Artikel gibt Matthias Schmelzer einen knappen Überblick über unterschiedliche Strömungen die es in der deutschsprachigen wachstumskritischen Szene und der Postwachstumsbewegung gibt.

Barbara Muraca 2014. Gut Leben. Eine Gesellschaft jenseits des Wachstums.
> Das Buch kann beim Wagenbach Verlag bestellt werden
“Gut Leben” bietet einen guten Einstieg in die Postwachstums- oder Degrowth-Debatte. Barbara Muraca beschreibt den internationalen Degrowth-Diskurs und verbindet diesen mit den deutschen Postwachstumsansätzen. Sie zeigt auf, dass zu „gut leben“ Solidarität, Selbstbestimmung und Freiheit gehören. Wichtig für sie ist auch eine feministische Perspektive, die das Ganze der Arbeit in den Blick nimmt und eine gleichberechtigte Gesellschaft anstrebt.

Giacomo D’Alisa, Federico Demaria, Giorgios Kallis (Hrsg.) Degrowth – Handbuch für eine neue Ära.
> Als Buch auf deutsch beim oekom Verlag
An Hand wichtiger Begriffe der Degrowth Debatte werden Konzepte kurz und einfach verständlich erklärt. Das Buch zeigt die Vielfalt von Degrowth und bietet einen guten Einstieg in bestehende Diskussionen.

Federico Demaria et al. 2013: What is Degrowth? From an activist slogan to a social movement in: Environmental Values Vol.22, No.2, 191-215.
> vollständiger Artikel auf Englisch
> gekürzte deutsche Version im VSA-Band “Ausgewachsen!”
> der gesamte Band “Ausgewachsen!” zum Download
In diesem Artikel, diskutieren Mitgliedern von Research & Degrowth Ursprünge, Entwicklungen, sowie praktische Ansätze und Ideen zu Degrowth und finden darüber zu einer Definition des Begriffs. Dabei werden zahlreiche Quellen und Strategien erklärt, auch mit dem Ziel, reduktionistischer Kritik und Missverständnissen zu begegnen.

Joan Martínez-Alier 2012: Environmental Justice and Economic Degrowth: An Alliance between Two Movements.
Capitalism Nature Socialism. Volume 23, Issue 1, Pages 51-73. > Download als pdf.
In diesem Artikel beschreibt Joan Martínez-Alier unterschiedliche wissenschaftliche Strömungen sowie soziale/politische Bewegungen zum Thema Umwelt- und Soziale Gerechtigkeit. Er dikutiert Konzepte, Kontroversen, Übereinstimmungen und Möglichkeiten für Allianzen.

Weitere Materialien zum Einstieg ins Thema
> Was ist degrowth?
> Etwas zum Ansehen und Zuhören
> Alle einstiegsfreundlichen Einträge der Mediathek

Literatur

Literatur

Die AG Programm der Leipziger Degrowth Konferenz hat einige Texte ausgewählt, die einen leichten Einstieg in die Degrowth-Debatte bieten. Diese Liste wurde nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit erstellt, sondern dient Ihrer Orientierung.

Literaturempfehlungen

Degrowth Orgakreis 2014: Unsere Definition von Degrowth

Demaria et al. 2013: What is Degrowth? From an activist slogan to a social movement
> vollständiger Artikel auf Englisch
> gekürzte deutsche Version im VSA-Band “Ausgewachsen!”
> der gesamte Band “Ausgewachsen!” zum Download
Dieser Artikel, geschrieben von Mitgliedern von Research & Degrowth, findet über eine Diskussion von Ursprüngen, Entwicklungen, sowie praktischen Ansätzen und Ideen zu Degrowth zu einer Definition des Begriffs. Dabei werden zahlreiche Quellen und Strategien erklärt, auch mit dem Ziel reduktionistischer Kritik und Missverständnissen zu begegnen.

Muraca, Barbara 2013: Décroissance: A Project for a Radical Transformation of Society*
in: Environmental Values 22 (2013): 147–169; > vollständiger Artikel auf Englisch
gekürzte dt. Variante liegt vor im Alba-Sammelband “Arkadien oder Dschungelkampf”;
Dieser Artikel erzählt die Entstehungsgeschichte des Begriffs „Décroissance“ und analysiert einige der wesentlichen Inspirationsquellen von Degrowth, darunter globale Umweltgerechtigkeit, Postdevelopment und politische Ökologie. Degrowth wird demnach als ein radikales Transformationsprojekt verstanden.

Martínez-Alier, Joan 2012: Environmental Justice and Economic Degrowth: An Alliance between Two Movements.
Capitalism Nature Socialism. Volume 23, Issue 1, Pages 51-73. > Download als pdf.
In diesem Artikel werden unterschiedliche wissenschaftliche Strömungen sowie soziale/politische Bewegungen zum Thema Umwelt- und Soziale Gerechtigkeit beschrieben. Es werden Konzepte, Kontroversen, Übereinstimmungen und Möglichkeiten für Allianzen diskutiert.

Passadakis, Alexis/Schmelzer, Matthias 2011: Postwachstum – 12 Fluchtlinien einer solidarischen Ökonomie jenseits des Wachstums
Blogbeitrag 2011 auf www.postwachstum.net, auch auf Englisch, Französisch, Japanisch und Finnisch, ein kurzes Diskussionspapier für Attac Deutschland.

Schmelzer, Matthias 2014: Gutes Leben statt Wachstum: Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz – eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung
Blogbeitrag Juli 2014 auf www.degrowth.de, der einen knappen Überblick über unterschiedliche Strömungen in der deutschsprachigen wachstumskritischen Szene und der Postwachstumsbewegung gibt.

Weitere (nicht deutschsprachige) Literatur finden Sie unter http://www.degrowth.org/publications.

darum geht es

Tag des guten Lebens für alle!
– Darum geht es


Was passiert am „Tag des guten Lebens für alle” 2018?

Im Jahr 2018 findet der Tag zum ersten Mal statt, und zwar am Samstag, den 23. Juni. An diesem Tag führen lokale Initiativen in zahlreichen Orten und Städten öffentliche Veranstaltungen und Aktionen durch, um deutlich zu machen: Wir sagen nein zur Alternativlosigkeit!

Wir wollen konkrete Handlungsspielräume und Alternativen zur kapitalistischen Wachstumsgesellschaft aufzeigen, denn ein gutes Leben für alle ist möglich! Von der Diskussionsrunde mit Postwachstums-vertreter*innen, einer Fahrradtour zu Pionier*innen wie der lokalen Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi), einem Besuch beim nächsten Repair Café bis hin zur Protestaktion vor einem Kohlekraftwerk… in welcher Form Wachstumskritik und gelebte Alternativen thematisiert und sichtbar gemacht werden, entscheidet ihr selbst.

Der „Tag des guten Lebens für alle!” findet zugleich auch als „run-up-event” für die internationale Degrowth-Konferenz im August 2018 in Malmö statt.

Im Folgenden könnt Ihr unseren One-Pager mit allen Informationen zum Tag des guten Lebens für alle auch downloaden: Download One-Pager.


Was verstehen wir unter einem Guten Leben für alle!”?

Gutes Leben für alle setzt eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform voraus, die das Wohlergehen aller Menschen und Mitgeschöpfe zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen schützt. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer derzeitigen Lebens und Produktionsweise sowie ein umfassender kultureller Wandel notwendig. Zu den Werten dieser Gesellschaft gehören für uns z.B. Achtsamkeit, Entschleunigung, Solidarität und Kooperation, um ein selbstbestimmtes Leben in Würde für alle zu ermöglichen. Als notwendige weitere Schritte sehen wir u.a. einen schonenden Umgang mit Ressourcen, die Orientierung an Suffizienz und eine Verringerung von Produktion und Konsum im globalen Norden. Außerdem benötigen wir einen Ausbau demokratischer Entscheidungsformen, um echte politische Partizipation zu ermöglichen, sowie den Abbau globaler Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen wie etwa Rassismus, Sexismus und Neokolonialismus, damit tatsächlich alle Menschen am guten Leben teilhaben können. Ein solcher Ansatz wird auch als „Degrowth” oder „Postwachstum” bezeichnet. Siehe hierzu auch Definition von Degrowth.

Allgemein

Am „Tag des guten Lebens für alle!” am 23. Juni 2018 finden in vielen Städten öffentliche Aktionen und Veranstaltungen statt, die praktische Alternativen zur Wachstumsgesellschaft in der Öffentlichkeit sichtbar machen und zeigen: Ein gutes Leben für alle ist möglich!
Alle Menschen, Gruppen und Bewegungen, die sich einem „guten Leben für alle” verbunden fühlen, sind aufgerufen, an diesem Aktionstag mitzuwirken: Gestaltet bei euch vor Ort Aktionen und Veranstaltungen, um damit in der Öffentlichkeit als Teil einer vielfältigen Bewegung für eine global gerechte und zukunftsfähige Welt sichtbar und wirksam zu werden. So sollen möglichst viele Menschen erreicht werden und emanzipatorische Perspektiven sowie praktische Ansätze für eine Welt jenseits des Wachstums bekannter werden: Denn ein fürsorgliches und selbstbestimmtes Miteinander ist auch heute schon möglich! Zugleich stärkt ein gemeinsamer Aktionstag den Kontakt und das Zusammenwirken der vielfältigen Initiativen, die sich als Akteure einer gemeinsamen Postwachstumsbewegung verstehen können.

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