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„Versuche, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Umweltindikatoren wie den ökologischen Fußabdrücken von Produktion und Konsumtion sowie Treibhausgasemissionen absolut und auf globalem Niveau zu entkoppeln, sind bis dato gescheitert (Jackson 2017). Das auf Wirtschaftswachstum setzende, energie- und stoffintensive westliche Wohlstandsmodell lässt sich nicht auf den Rest der Erde übertragen (Fritz/Koch 2016). Im Gegenteil, es unterminiert die Lebensbedingungen anderer Erdteile und kommender Generationen. Für den neurechten Diskurs versteht es sich gewissermaßen von selbst, dass der Wohlstand deutscher oder europäischer Bürger*innen vorrangiger ist als der von anderen Menschen auf diesem Planeten und deshalb zur Not mit Waffengewalt bewahrt werden muss. Eine zeitgemäße linke Antwort fällt da schon schwerer. Will sich die Linke wirklich vom neurechten Diskurs absetzen, indem sie sich für das Wohlergehen aller aktuellen und zukünftigen Erdbewohner*innen einsetzt, bleibt nichts, als einen möglichst sozial inklusiven Degrowth-Prozess zu unterstützen, mitzugestalten und schließlich einzuleiten. Dessen Zielsetzung ist es, dass am Ende die Produktions- und Konsumtionsmuster Deutschlands und Europas kompatibel mit ökologischen Grenzen sind und Entwicklungsspielraum für andere Teile der Welt lassen. Im Folgenden skizziere ich, wie wir in die gegenwärtige Krise geraten sind und welche ökologisch-sozialen Politikstrategien jenseits des kapitalistischen Wachstumsparadigmas zu ihrer Überwindung in Betracht kommen.“
(aus der Einleitung)