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Paper presented at the Conference “New economic concepts in the current European crises“.

Abstract: Mit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise ab 2007 wurden auch viele europäische Länder, vor allem Länder der europäischen Währungsunion, mit in den Abwärtsstrudel gerissen. Die Schwächen eines bis dahin forcierten Wirtschafts- und Wachstumsmodells wurden offensichtlich und gaben Anlass, das bisherige ökonomische Denken auf den Prüfstand zu stellen. Solche besonderen historischen Situationen könnten genutzt werden, um einen wirtschaftspolitischen Pfadwechsel herbeizuführen. Bis heute ist noch nicht klar, ob das politische Europa gestärkt daraus hervor gehen wird. Es zeichnet sich eher ab, dass es in den Jahren der Krisenbewältigung zu Machtverschiebungen in Europa gekommen ist und Deutschland die europäische Wirtschaftspolitik noch stärker dominiert.
Anstatt das Deutsche Modell, welches durch Lohnzurückhaltung, Austeritätspolitik und Handelsbilanzüberschüsse gekennzeichnet ist, als Vorbild für Europa auszurufen, sollte ein Pfadwechsel zu einem nachhaltigen europäischen Wirtschaftsmodell erfolgen. Die Vorstellung, was genau ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell beinhaltet, ist in der ökonomischen Zunft mehr als unterschiedlich. Dieser Artikel soll einen Beitrag leisten, dass Nachhaltigkeit aus der makroökonomischen Perspektive vor allem wirtschaftliche Stabilität, Reduzierung von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten und eine gerechtere Einkommensverteilung beinhaltet. Insbesondere der Zusammenhang von Lohnstückkosten, Wettbewerbsfähigkeit und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht soll den Blick auf die ungenügende Kohärenz in der Europäischen Währungsunion schärfen. Theoretische Erkenntnisse wie auch empirische Daten legen die Vermutung nahe, dass dieser makroökonomische Zusammenhang ein Kernbestandteil der Krisenursache der europäischen Integration ist. Mit Fokus auf den Arbeitsmarkt und dem Lohnbildungsmechanismus wird die These aufgestellt, dass nur eine stärkere politische Integration in Europa die Krise bewältigen kann. Die makroökonomische Rolle von Geldlöhnen soll dabei im Zentrum stehen und auch mit dem Wachstumsdilemma moderner Geldökonomien reflektiert werden. Die Annahme, dass Geldlöhne aus keynesianischer Sicht die Einkommensverteilung nicht beeinflussen, führt zu der Argumentation, dass andere Politikbereiche herangezogen werden müssen, um zu einer gerechteren Einkommensverteilung zu gelangen. Diese These deckt eine weitere Facette europäischer Wirtschaftspolitik auf und regt Reformschritte an: Schließlich kann die ökonomisch-ökologische Doppelkrise nur überwunden werden, wenn breite Bevölkerungsschichten den Pfadwechsel mittragen und nicht ökonomisch und sozial abgehängt werden.