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Wachstumskritik von links.

Aus der Einleitung: . . . Das mit der Wachstumskritik ist schon eine schwierige Sache für die Linke. Wie formulierte noch Alexis Tsipras von Syriza unter großem Applaus auf dem Parteitag der LINKEN im Mai in Berlin: Eine «Gesellschaft der Gerechtigkeit, der Solidarität und des Wachstums» müsse als linkes Konzept der herrschenden EU-Politik entgegengestellt werden. [. . .] Gleichwohl gibt es ein allgemeines Unbehagen, wenn dem Wirtschaftswachstum oberste politische Priorität eingeräumt wird: Die unterstellte Erwartung, dass sich damit beinahe jedes Problem bewältigen ließe und sich deshalb fast alle anderen gesellschaftlichen Belange unterzuordnen hätten, ruft Widerstand hervor. Dies zeigt sich in nahezu allen weltanschaulichen Grundrichtungen und ihren jeweiligen Institutionen. Die Auseinandersetzung mit der Wachstumsproblematik stellt derzeit vor allem für junge Menschen einen Ausgangspunkt von Politisierung und politischer Aktivierung dar. Wer dies als bloße Mode abtut, die ebenso schnell vergehe, wie sie an Attraktivität gewann, wird sich noch über dieses Missverständnis ärgern dürfen.
Ökologische Kritiken weisen seit Langem auf die «Grenzen des Wachstums» hin und lenken den Blick auf die Auswirkungen des vermeintlich ewigen Wirtschaftswachstums, mit all den Instabilitäten und Katastrophen, die eine unveränderte Politik bereits jetzt nachdrücklich infrage stellen. Katastrophen übrigens, die mitnichten alle Menschen gleich betreffen. Wir sitzen zwar im selben Boot, aber auf verschiedenen Decks: Die Ärmsten, die am wenigsten zum Überschreiten dieser Grenzen beigetragen haben, sind am härtesten betroffen.
Mit Blick auf diese Herausforderungen lassen sich große Überschneidungen zwischen linken, feministischen und wachstumskritischen Positionen erkennen. Bei Menschen, die für die Rosa-Luxemburg-Stiftung oder in ihrem politisch-gesellschaftlichen Umfeld arbeiten, gibt es verschiedene kritische Perspektiven auf sozialökologischen Umbau. Dabei spielt eine mögliche Transformation gegenwärtiger kapitalistischer Gesellschaftsstrukturen im Sinne eines demokratischen Sozialismus eine zentrale Rolle. . . .