Programm

Hier findet Ihr einen Überblick über die Konferenz sowie das ausführliche Programm.
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Freitag


18:00 – 19:00     Begrüßung


Begrüßung durch Mitglieder der Regionalgruppe Care Revolution Leipzig, Vorstellung des Wochenendablaufs und gegenseitiges Kennenlernen. Anschließend gibt es die Möglichkeit gemeinsam vor Ort zu Abend zu essen.


20:00 – 22:00     Theater


supramater

SUPRA lat. über, MATER lat. Mutter – die Übermutter, ein Archetyp der Selbstaufopferung und der bedingungslosen Fürsorge. Sie vollführt die absolute altruistische Handlung: Mutterliebe

Zwei Mütter gewähren in dieser Lecture-Performance Einblick. Körperbilder, Identitäten und biografisches Material verweben sich und begeben sich auf Konfrontationskurs mit einer Nicht-Mutter und ihrem wissenschaftlichen Vortrag. Schnittmengen und Reibungsflächen entstehen. Als symbolisierte Ur-Mütter nehmen wilde pferde das Publikum unter ihre Fittiche. Dabei entsteht eine intime Situation, die nicht mehr zwischen Bühne und Zuschauerraum, trennt. Die Mütter nutzen ihre übernatürlichen Kräfte um sich in einer Gameshow herauszufordern, diese wird unterstützt und angefeuert von Antworten einer für das Projekt angelegten Umfrage, einem wissenschaftlichen Vortrag und natürlich dem Publikum.

Das Projekt SUPRAMATER ist Recherche-Projekt, lecture performance und Internetplattform. wilde pferde sehen in künstlerischen Praktiken das Potential, eindeutige Wertungen zu umgehen, Ambivalenzen und Widersprüche bestehen zu lassen und naturalisierte Annahmen über Mutterschaft und Familie zu dekonstruieren. Das Projekt erforscht die vielfältigen, eigensinnigen Arrangements und (Gleichberechtigungs-) Praxen von Frauen und Männern, die mit Entweder-Oder (Vollzeitmutter-Karrierefrau) Leitbildern der Gesellschaft brechen. > zur projekteigenen Umfrage

Kollektiv wilde pferde – mit Juliane Meckert, Miriam Welk, Feray Halil, Nadja Hoppe, Stephanie Krah, Thimo Teiche und David Berger.


Samstag


10:00 – 11:30     Einführungsvortrag & Diskussion


Das Care Revolution Netzwerk – Sorgearbeit ins Zentrum einer solidarischen Gesellschaft

Care ist Sorgearbeit, unbezahlt oder bezahlt. Sie ist wichtig für jedes individuelle Leben und für die gesamte Gesellschaft, aber sie findet momentan unter schlechten Bedingungen statt. Überforderung und Zeitnot im Alltag gefährden die Selbstsorge, die Sozialsysteme sind unterfinanziert und bieten keine ausreichende Unterstützung und Beschäftigten in Care-Berufen arbeiten am Limit. Wie hängen ökonomische Profitorientierung und die aktuelle Care-Krise zusammen? Was haben Geschlechterverhältnisse und soziale Ungleichheit damit zu tun? Und vor allem: Wie und mit welchen Zielen organisiert sich die Care Bewegung für eine solidarische Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen im Zentrum stehen?“

Jette Hausotter, Regionalgruppe Care Revolution Berlin/AK Reproduktion


11:45 – 13:15     Erste Workshopphase



An die Arbeit! Eine Untersuchung des Arbeitsbegriffs

In ökonomischen sowie politischen Analysen spielt ausschließlich registrierte sowie legale Lohnarbeit eine Rolle, deren Wert über den freien Markt bestimmt wird, aber auch durch staatliche Maßnahmen reguliert werden kann. Der Workshop beschäftigt sich damit, dass ein Großteil der Arbeitsleistung inoffiziell und/oder unbezahlt stattfindet und inwiefern dies in Analysen integriert werden kann.

Tess Herrmann & Lisa Weinhold, Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

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Feministische Postwachstums-Visionen: Der Subsistenzansatz der Bielefelder Schule

Eine Gesellschaft und Wirtschaft zu gestalten, die nicht auf der „Ausbeutung von Menschen und Natur“ gründet (Werlhof et al. 1988, III) ist das Ziel des Subsistenzansatzes. In einem interaktiven Workshop möchten wir mit den Teilnehmenden gemeinsam entdecken, welche feministischen Vorschläge für eine geschlechtergerechte und ökologisch nachhaltige Postwachstumsgesellschaft angeboten werden und klären, wie sich der Subsistenzansatz für unseren Alltag und unsere Care-Tätigkeiten fruchtbar machen lässt.

Anna Saave-Harnack & Sabine Carl, GeNaWerk und Friedrich-Schiller-Universität Jena

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Es geht um mehr – Kämpfe für mehr Personal und gegen die Ökonomisierung der Krankenhäuser

Seit 2004 werden Krankenhäuser durch DRG finanziert, sie stehen in ökonomischer Konkurrenz zueinander und gesetzliche Personal-Regelungen wurden abgeschafft. Sie verbessern ihre Wettbewerbsposition, indem sie mehr und lukrative Fälle mit weniger Personal behandeln. Das Ergebnis: Überversorgung mit nicht notwendigen Operationen und Unterversorgung durch Personalmangel. Seit 2015 kämpfen Belegschaften für mehr Personal, eine bessere Versorgung der Patient*innen, bessere Arbeitsbedingungen – und damit für eine Neuausrichtung des Gesundheitswesens insgesamt.

Dr. Nadja Rakowitz & NN, Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte

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Mobile Pflege – einmal Marktwirtschaft und zurück

Vor mehr als 20 Jahren habe ich mit anderen Frauen selbstorganisiert die mobile Altenbetreung in einer ländlichen Region in Österreich aufgebaut. Dann kamen Ökonomisierung, Wettbewerbsorientierung, Standardisierung, Konflikte zwischen Berufsgruppen, neue Pflegegesetze. Nun steigt ein neuer Stern am Pflegehimmel auf: Buurtzorg, auf deutsch Nachbarschaftspflege. Kleine, selbstorganisierte Gruppen von Pflegenden in überschaubaren Regionen zeigen, wie es geht. Die Chancen von Selbstorganisation und die Gefahr der Vereinnahmung wollen wir im Workshop durchleuchten und überlegen, was das alles mit Degrowth zu tun hat.

Brigitte Kratzwald

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Feministisches Muttersein

Die Vorstellungen von Mutterschaft* beinhalten verschiedenste Erwartungen und Normvorstellungen. Mütter* werden schnell mit Bewertungen, Mütternormen und -mythen von außen konfrontiert. Wir wollen mit euch diese Konstrukte aufdecken, destabilisieren und diskutieren. Der Fokus soll auf der gelebten Alternative liegen. Was bedeutet feministisches Muttersein* für mich, wie kann es gelebt werden? Gemeinsam wollen wir unsere Perspektiven auf mögliche mütterliche* Lebens-, Gefühls-, und Körperentwürfe erweitern, durch Input, spannende Diskussionen und persönliche Austauschmomente.

Alicia Schlender & Andrea Werthmüller

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Behinderung und das Recht auf gute Pflege und Assistenz

Über Jahre haben Menschen mit Behinderung selbstbestimmtes Leben durch persönliche Assistenz erkämpft. Deren Umsetzung ist bis heute jedoch nicht selbstverständlich. Neben den finanziellen Aspekten wird stets aufs neue verhandelt, wessen Expertisen in die Arbeit einfließen – viele Menschen mit Assistenzbedarf bevorzugen bewusst ungelernte Mitarbeiter_innen. Auch kann die Assistenz-Ausübung in einem Spannungsverhältnis zu arbeitsrechtlichen Forderungen stehen. Der Workshop behandelt behinderte Perspektiven auf Sorgearbeit und möchte einen Grundstein für gemeinsame Gespräche und strategische Überlegungen im weiteren Konferenzverlauf legen.

Antje Barten, Aktivistin mit Behinderung, freie Bildungsreferentin und Sozialarbeiterin

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Care-Revolution und Degrowth – Zwei Seiten einer Medaille?

Degrowth fragt kritisch nach den blinden Flecken im kapitalistischen Wirtschaftssystem und seiner Wachstumslogik. Damit bietet es Anknüpfungspunkte an Aspekte von Care-Revolution, zur gesellschaftlichen Organisation von Sorgearbeit und zu deren sozial gerechter und demokratischer Gestaltung. Gemeinsam mit Euch wollen wir diskutieren, warum und wie genau die Themen Care und Degrowth zusammenhängen und wie die beiden Perspektiven sich gegenseitig ergänzen können.

Christoph Sanders & Alexandra Gerber, Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V.


14:30 – 16:00     Erfahrungsaustausch

Beim Erfahrungsaustausch soll allen die Möglichkeit gegeben sein, sich über verschiedene Aspekte ihrer Erfahrungen und Lebenssituationen in Bezug auf Sorgearbeit auszutauschen. Dabei wird es verschiedene Räume geben, in denen Menschen entweder mit einer Gesprächsleitung oder auch ganz frei untereinander ins Gespräch kommen können. Zeitgleich werden die beiden erfahrungsbasierten Workshops „Emotionale Arbeit und kollektive Fürsorge“ und „Care in Bewegung“ angeboten.


Emotionale Arbeit und kollektive Fürsorge

(Für-)Sorgearbeit und Arbeit, die auf Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse abzielt, ist nicht nur wichtig und notwendig. Sie bedeutet auch Kraftaufwand, Anstrengung und Erschöpfung. Im Kontext dieser Arbeit erleben wir Belastungen verschiedener Art. Der Workshop gibt Raum, die Faktoren dieser Belastungen zu ergründen und bezieht die gesellschaftliche Ebene ein. Auch auf die eigene Praxis emotionaler Arbeit werfen wir einen Blick anhand einer Einzelübung. Schließlich wird es Raum geben um Ideen einer kollektiven Fürsorge zu diskutieren.

Caro Bohn

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Care in Bewegung

Was ist ‚das Eigene‘? Was ist ‚das Andere‘? Wo sind meine Grenzen und wie bin ich mit Anderen verbunden? Auf der Suche nach Antworten verbinden sich Methoden aus dem zeitgenössischen Tanz mit feministischer Theorie. In Bewegung und Interaktion untersuchen wir das Spannungsfeld zwischen dem Erleben von Grenzen, Verbundenheit und Verantwortung gegenüber Anderen. Für die Teilnahme an dem Workshop werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt.

Maria Ebert & Nora Tormann


16:30 – 18:30     Podium & Fishbowl-Diskussion


Wie sorgen wir für den Wandel?

Welche Rolle könnten Sorgetätigkeiten in einem Wirtschaftssystem haben, das nicht von Wachstum und Profit angetrieben wird? Welche Ansatzpunkte für solche Organisationsformen gibt es jetzt schon? Wie ist dabei das Verhältnis zwischen Selbstorganisation und staatlicher Unterstützung? Und welche Rolle können dabei Begegnungen zwischen verschiedenen Bewegungen wie Care Revolution und Degrowth spielen? Kurze Vorträge wechseln sich ab mit Austausch in Kleingruppen und einer abschließenden gemeinsamen Diskussion in großer Runde.

Referent*innen:
Carla Noever Castelos, I.L.A Kollektiv, Berlin
Friederike Habermann, Freie Wissenschaftlerin und Autorin, Mannheim
Emma Dowling, Institut für Soziologie, Jena
Felix Wittmann, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Leipzig
N.N., alternative Praxis

Moderation:
Andrea Vetter


Ab 20:00     Abendausklang

Den zweiten Tag der MitMachKonferenz möchten wir zusammen in gemütlicher Runde abschließen. Wir werden dafür gemeinsam in die Bäckerei, Josephstraße 12, umziehen. Dort wird es eine offene Bar und die Möglichkeiten zum weiteren Kennenlernen und Vernetzen geben. Wenn möglich, wird es auch entweder Live-Musik oder einen Film geben.


Sonntag


11:00 – 12:30     Zweite Workshopphase


Care – Grundeinkommen – Degrowth

Im Ökofeminismus werden die Sorge um Menschen und die Sorge um Natur zusammen debattiert. Eine an den Bedürfnissen der Menschen und der Natur orientierte Wirtschaft/Gesellschaft ist das Ziel. Der Workshop hat drei Phasen: Inputs der Referent/innen; Diskussion an Thementischen „Care und Grundeinkommen“ und „Degrowth und Grundeinkommen“. Abschließend werden gemeinsam Schnittmengen, Differenzen und Problemlösungsansätze diskutiert.

Ronald Blaschke & Elfriede Harth

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Wie sieht gute Vorsorge aus Degrowth-Perspektive aus?

Rente, Verteilungsgerechtigkeit, Löhne, Arbeitsdruck, Mieten, Korruption, Finanzkrisen – wie hängt das alles zusammen? Ohne Änderungen drohen etwa jeder zweiten Neurentner*in in Deutschland ab 2030 Altersarmut. Wieso schafft es aber Österreich, fast doppelt so viel Rente als hierzulande zu zahlen – und das bei einem nur unwesentlich höheren Eigenbeitrag?
Wie machen wir die Altersvorsorge wieder fit? Was wäre für Dich ein sinnvolles, sozial gerechtes, solidarisches und nachhaltiges System?

Enrico Schicketanz, Universität Erfurt

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Care in der Degrowth-Bewegung

Wir, Mitglieder des GeNaWerks – Netzwerk für Gender und Nachhaltigkeit, möchten einen Raum schaffen, eigene Lebens- und Arbeitsweisen des Sorgens von Teilnehmenden mit theoretischen und praktischen Erkenntnissen aus unseren Abschlussarbeiten zu Care und Degrowth zu diskutieren. Daraufhin möchten wir genauer unter die Lupe nehmen, welche Unterschiede und Verbindungen sich aus theoretischen Annahmen und der praktischen Umsetzung von Care im Degrowthkontext ergeben.

Lara Bethlehem, Anna Holthaus, Mike Korsonewski, GeNaWerk – Netzwerk für Gender und Nachhaltigkeit

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Gesundheit neu denken – Alternativen zur jetzigen Gesundheitsversorgung

Was brauchen wir um gesund zu sein? Was macht uns krank? Wie können wir uns im Stadtteil für mehr Gesundheit organisieren? In Leipzig soll ein Ort entstehen an dem Gesundheit nicht allein als individuelle „Ressource“ betrachtet wird, sondern als Resultat gesellschaftlicher Verhältnisse. Bei der Krankheitsentstehung spielen Faktoren wie ein geringes Einkommen, eine geringe Bildung, schlechte Wohnverhältnisse und  Diskriminierungen jeglicher Art eine Rolle. Wir wollen diese sichtbar machen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten in der Nachbarschaft erarbeiten.

Wir werden euch unsere Vision eines Stadtteilgesundheitszentrums vorstellen und diskutieren, wie es zum Ausgangspunkt gesellschaftlichen Wandels werden kann.

Stadtteilgesundheitszentrum Leipzig

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Ist Sexarbeit Carearbeit oder ist nur die Solidarität mit Sexarbeiter*innen Aufgabe der Care-Revolution?

Das älteste Gewerbe der Welt? Sexarbeiter*innen fordern schon seit langem die Entstigmatisierung von Sexarbeit und die Gleichstellung mit anderen Erwerbsarbeiten. Staatliche Institutionen und mediale Diskurse verhindern es, zum einen Sexarbeit als erwerbliche Care-Arbeit anzuerkennen und verschieben zum anderen den Fokus immer wieder hin zum ‚Opferstigma‘. Oftmals ist diese Polarisierung auch Teil feministischer Auseinandersetzungen. Welche solidarische Haltung und Unterstützung kann dabei die Bewegung der Care Revolution einnehmen?

Stephanie Klee, Sexarbeiterin und Hurenaktivistin/Kampagne „Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!“

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Putzen und Kinderbetreuung: Arbeit von Frauen ohne Papiere

Ein Großteil der bezahlten Haushaltsarbeit in Deutschland  wird von Frauen gemacht, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihre Länder verlassen haben. Wegen fehlender Papiere oder fehlender Sprachkenntnisse haben diese Frauen wenig andere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Speziell Frauen ohne Aufenthaltserlaubnis haben viele Schwierigkeiten, die schon bei der Arbeitssuche beginnen. Wir möchten mit Euch über diese Situation und mögliche Alternativen – für die Frauen und für die Gesellschaft – diskutieren.

Respect Berlin


14:00     Open Space


15:30     Abschluss-Aktion

Ein Abschluss als Auftakt
Die Zukunft gestalten wir – Politik um Sorge geht anders!
Wirtschaft geht anders – und zwar für den Menschen und die natürliche Umwelt!

Zum Abschluss der MitMachKonferenz feiern wir uns selbst. Dafür wird es eine große Bastelaktion im Vorhinein geben. Wir wollen unsere Stimmen noch einmal symbolisch erheben. Außerdem ist noch zusammen mit Menschen der AG Pflege der Care Revolution Leipzig und Mitstreiter_innen von PRISMA eine Performance für bessere Sorgearbeitsverhältnisse geplant. Ihr seid alle eingeladen, dabei zu sein und diese mitzugestalten! Weitere Infos dazu folgen.