16 Uhr Workshops, Film und Projektbörse

Gegenentwürfe zur Entwicklung: Die Selbstorganisierung und der Kampf indigener Frauen in den nördlichen Anden Südamerikas

Carolina Tamayo Rojas (Alice Salomon Hochschule/ReachOut, Berlin)

Ort: Salon Lilian Masediba Ngoyi // DE (oder Spanisch, gedolmetscht in DE–FR–EN)

In diesem Workshop geht es um die Idee des feminismo comunitario (kommunitarischer Feminismus) und um die Selbstorganisierung indigener Frauen in den nördlichen Anden. Für indigene Frauen aus der Region ist die Idee des Feminismus weiß und westlich geprägt. Das hat dazu geführt, dass sie sich mit dieser Idee nie identifizieren wollten und konnten, da ihre Lebensrealitäten bei dem hegemonialen feministischen Diskurs keinen Raum finden. Dennoch gibt es, vor allem in den letzten Jahren, eine starke Diskussion über soziale, wirtschaftliche und politische Probleme, die indigene Frauen sehr spezifisch betreffen, weil sie gleichzeitig Frauen und Indigene sind. Wie gestalten sich die Selbstorganisierungsprozesse indigener Frauen in der Region? Wo sehen indigene Frauen die Intersektion zwischen Kolonialismus und Patriarchat? Wie werden alternative und Gegenentwürfe zur Entwicklung aus der Perspektive indigener Frauen gestaltet, gefordert und in die Öffentlichkeit und auf die politische Agenda der Region getragen?

C. Tamayo Rojas ist Lehrbeauftragte für Gender und Queer Studies an der Alice Salomon Hochschule und aktiv bei ReachOut, einer Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Sie beschäftigt sich mit Alternativen zu Entwicklung, mit indigenem Widerstand, postkolonialen Theorien, Rassismus und Empowerment.

 

Globale Ungleichheit als Kontext von Migration, Entwicklung und ökologischer Krise – der Fall Äthiopiens

Ermyas Mulugeta (Freiberufler für nachhaltiges Wasser- und Landmanagement, Loewenherz e.V., Netzwerk Migrantenorganisationen Brandenburg – NeMiB e.V.)
Ort: Studio Frantz Fanon // DE (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Der Globale Norden erkennt weiterhin die Eigenverantwortung für Fehlentwicklungen im Süden nicht an, hat keinen Blick für dortige positive Transitionsprozesse und klammert das Fortwirken von Kolonialrassismus aus. Gleichzeitig haben Akteur*innen aus dem Globalen Süden mit der Verabschiedung der Sustainable Development Goals einen Paradigmenwechsel herbeigeführt, da hier zum ersten Mal auf internationaler Ebene der Globale Norden als Entwicklungsregion und verantwortlich für weltweite Krisen benannt wird. In diesem Workshop wird, von dieser globalen Perspektive ausgehend, der Blick auf Äthiopien geworfen. Es geht dabei um den Zusammenhang zwischen globalen Machtstrukturen, Menschenrechten, Umweltdegradation, Klimawandel, Flucht und Migration. Der Workshop geht der Frage nach, warum bisherige Transformationsbemühungen gescheitert sind, wie eine kohärente Politik für einen ökologisch nachhaltigen, sozioökonomisch und demokratisch angemessenen Fortschritt aussehen könnte und welchen Strukturwandel das ländliche Äthiopien braucht, damit junge Leute dort eine Perspektive sehen.

Ermyas Mulugeta ist u.a. aktiv im Netzwerk Migrantenorganisationen Brandenburg – NeMiB e.V. Er beschäftigt sich mit sozial-ökologischen Herausforderungen in ländlichen Regionen des nord-westlichen Zentralmassiv Äthiopiens und engagiert sich gegen Diskriminierung und soziale Ungleichheit in Deutschland.

 

How is Your Liberation Bound up with Mine? Transnationale und transidentitäre Organisierungen trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen

Aktivist_innen von Afrique-Europe-Interact
Ort: Foyer Ken Saro-Wiwa // DE+FR (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Bereits in der feministischen Bewegung Anfang der 1990er Jahre und später bei den Antirassistischen Grenzcamps (1998-2003) ist hierzulande immer wieder die Frage aufgetaucht, ob bzw. wie unter den gegebenen rassistischen Bedingungen so etwas wie eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen refugees und non-refugees bzw. zwischen People of Colour und europäisch-weiß sozialisierten Aktivist_innen möglich ist. Ausgehend von unseren jeweils unterschiedlichen Erfahrungen im transnationalen Netzwerk Afrique-Europe-Interact (seit 2010) möchten wir diskutierten, ob bzw. wie es möglich ist, Dominanzen, Ignoranzen und Paternalismen zu vermeiden – angesichts unterschiedlicher Ausgangsbedingungen und somit auch unterschiedlicher Rechte und Privilegien.

 

Auswirkungen neoliberaler Handelsabkommen zwischen Afrika und Europa

Boniface Mabanza (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika, KASA, Heidelberg) & Franziska Müller (Universität Kassel/kassel postkolonial)
Ort: Emiliano Zapata // DE (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Auf der Agenda der Europäischen Union ist Afrika weit oben angesiedelt. Früher tituliert als “Kontinent der Krisen”, wird Afrika nun als dynamische “Chancen-Region” promotet, auf die sich außen- und entwicklungspolitisches Interesse richtet. Die EU verhandelt seit 2002 mit den Ländern Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raumes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs). Sie sollen dazu dienen, die AKP-Länder besser in die Weltwirtschaft zu integrieren. Tatsächlich gefährden sie jedoch die Ernährungssouveränität, die Staatseinnahmen und lokale Ökonomie und greifen in neokolonialer Weise in die Selbstbestimmung der Staaten ein. In Afrika hat sich breiter zivilgesellschaftlicher Widerstand dagegen entwickelt. Einige Abkommen wurden verabschiedet, andere können noch gestoppt werden. In diesem Workshop führen wir am Beispiel der Kämpfe um die EPAs in die deutsche und europäische Afrikapolitik ein und fragen nach fairen Handelsbedingungen. Daran anknüpfend diskutieren wir, welche Rolle der “Marshallplan mit Afrika” und der “Compact for Africa” auch nach dem G20-Gipfel noch spielen.

Franziska Müller forscht und lehrt an der Universität Kassel, u.a. zu EU-Afrika-Beziehungen, Energie- und “Entwicklungs”politik. Sie ist aktiv in der Gruppe kassel postkolonial.

Boniface Mabanza ist Philosoph und Theologe, seit 2008 Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg und forscht zur EU-Handelspolitik mit dem Südlichen Afrika.

 

Film: Der Mann, der die Wüste aufhielt (Regie: Mark Dodd, Burkina Faso 2013, 52 Minuten)

Ort: Lottas Kaufladen (Erich-Köhn-Str. 68) // Deutsch synchronisiert

Ein Bauer mit einer außergewöhnlichen Idee folgt seiner inneren Stimme und bietet der Wüste die Stirn. Am Rand der Sahelzone im Norden von Burkina Faso macht sich Yacouba Sawadogo daran, den völlig verkrusteten und ausgetrockneten Boden um sein Heimatdorf Gourga mit einer einfachen Spitzhacke aufzubrechen und mit einer alten, von seinen Vorfahren überlieferten Methode, dem Zaï, wieder zu fruchtbarem Land zu erwecken. Yacouba hat Erfolg. Und Neider, die zu Feinden werden und ihm ins allmählich gedeihende Handwerk pfuschen. Doch Yacouba gibt nicht auf und schließlich gelingt ihm ein einzigartiger Neuaufbau von Wäldern und Feldern mitten in der Wüste, mit denen er Aberhunderte von Familien ernähren kann.

 

Projektbörse

Wir möchten Initiativen, die sich in ihrer alltäglichen Arbeit mit den Themen der Konferenz auseinandersetzen, die Möglichkeit geben, sich auf der Konferenz vorzustellen. Ihr könnt euch hier mit anderen vernetzen, euch informieren und Pläne schmieden. Insbesondere zu Beginn der Konferenz und zum Abschluss wird es Raum für die Projektbörse geben. Wir werden Tische zur Verfügung stellen. Wir zählen aber auch darauf, dass dies selbstorganisiert laufen wird. Wenn ihr gerne eure Initiative vorstellen wollt, kommt einfach direkt während der Konferenz auf uns zu oder geht zur Projektbörse im Saal May Ayim.