Workshop-Phase 3

Ökologische Landwirtschaft und Bewegungsfreiheit: Das Künstler*innendorf Faso Kele in Guinea

Julia Friese-Konaté (Faso Kele) & Julia Daiber (Afrique-Europe-Interact)
Ort: Saal May Ayim // DE (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Im April 2016 gründete sich in der Region Kindia in Guinea (Conakry) ein ökologisches Künstler*innen-Dorf, welches von der transkulturellen Künstler*innen- und Aktivist*innen-Gruppe FASO KELE initiiert wurde. Inwiefern sich solche Initiativen positiv auf die lokale und globale Entwicklung, auf das Recht auf Bewegungsfreiheit sowie auf den Umwelt- und Ressourcenschutz auswirken, wollen wir in diesem Workshop besprechen und diskutieren. Beginnen wird der Workshop mit einer Performance, die die Grenzen zwischen Europa und Afrika aufzeigt und problematisiert, kulturelle, politische und konventionelle Grenzen hinterfragt und zur Grenzüberschreitung einlädt.

Julia Daiber hat in Freiburg Kunst und Visuelle Kommunikation studiert und dokumentiert seit 2012 fotografisch Aktionen des Netzwerks Afrique-Europe-Interact. Sie lebt in der Stadtkommune Allahopp in Bremen.
Julia Friese-Konaté ist aktivistische Künstlerin und seit 2009 regelmäßig in Westafrika. Im Jahr 2010 war sie Mitbegründerin des entwicklungspolitischen Vereins Mali Bakoydio und schloss sich Afrique-Europe-Interact an. Seit 2011 arbeitet und lebt sie mit der transkulturellen Künstler*innen-Gruppe Faso Kele zusammen.

 

Bittere Trauben. Arbeitskämpfe im südafrikanischen Weinbau

Mercia Andrews (Direktorin von TCOE, Trust for Community Outreach and Education, Kapstadt) & Karel Swartund Deneco Dube (Mitglieder und Aktivist_in von CSAAWU)
Ort: Foyer Ken Saro-Wiwa // EN (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Die südafrikanische Gewerkschaft CSAAWU vertritt Landarbeiter*innen, die unter härtesten Bedingungen für Unternehmen schuften, deren Wein in viele Länder Europas exportiert wird, unter anderem nach Deutschland. Aufgrund mehrerer erfolgreicher Streiks, neuen Organisierungsansätzen und einer starken internationalen Vernetzung konnte CSAAWU erhebliche Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen erreichen. 2016 streikten die 220 Beschäftigten bei Robertson’s Winery zwölf Wochen lang für höhere Löhne. Das Weingut war Gegenstand der dänischen TV-Dokumentation “Bittere Trauben – Sklaverei im Weinberg”. Nach deren Ausstrahlung verschwanden die Robertson’s Produkte aus dänischen Läden. Vertreter*innen der Basisgewerkschaft werden von ihren Kämpfen und Erfahrungen berichten. Mehr unter: https://csaawu.wordpress.com

Mercia Andrews ist Direktorin der NGO Trust for Community Outreach and Education (TCOE) in Kapstadt, die vor allem mit Kleinfarmer_innen arbeitet. Außerdem ist sie regionale Koordinatorin des Southern African Rural Women’s Assembly.

Karel Swartund Deneco Dube ist Mitglied und Aktivist_in bei der Gewerkschaft CSAAWU.

 

Bleiben oder Gehen? Chancen und Risiken von Infokampagnen unter jungen Leuten in afrikanischen Ländern

Diory Traoré, Abbas Diallo & Dorette Führer (alle Afrique-Europe-Interact)
Ort: Salon Lilian Masediba Ngoyi // FR DE (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit in vielen Ländern (West-)Afrikas lässt immer wieder tausende junger Menschen Richtung Europa aufbrechen. Gleichzeitig ist der Weg hart, langwierig und gefährlich. Unzählige verlieren ihr Leben, sowohl in der Wüste als auch auf dem Meer. Und selbst die, die es geschafft haben, sind häufig jahrelang prekären Aufenthalts- und Lebensverhältnissen ausgesetzt – inklusive ständigem Abschiebedruck. Vor diesem Hintergrund wird nicht nur in den Herkunftsländern, sondern auch unter Migrant_innen in Europa heftig darüber diskutiert, ob und wie die sogenannten “Kandidat_innen der Migration” über die damit verknüpften Risiken aufgeklärt werden sollen. Denn lohnt es sich wirklich, sein Leben aufs Spiel zu setzen? Sollte man nicht eher zu Hause nach Alternativen suchen – unabhängig davon, dass Bewegungsfreiheit ein Menschenrecht ist? In dem Workshop soll dieser Grundsatzfrage aus unterschiedlichen Perspektiven nachgegangen werden, u.a. am Beispiel von Radiosendungen in Mali und dem derzeit geplanten Alarmphone Sahara, welches Migrant_innen in der Wüste praktisch unterstützen soll.

Diory Traoré lebt in Bamako (Mali). Im Rahmen eines Vereins für die Verteidigung der Rechte malischer Migrant_innen macht sie regelmäßig Radiosendungen, unter anderem über das Watch The Med Alarmphone. Sie ist zudem für die Finanzen der malischen Sektion von Afrique-Europe-Interact zuständig.
Abbas Diallo ist als Geflüchteter aus Mali nach Europa gekommen. Inzwischen macht er in Sachsen-Anhalt eine Ausbildung und ist bei Afrique-Europe-Interact aktiv.
Dorette Führer lebt in Bremen und ist bei Afrique-Europe-Interact aktiv.

 

Die Stimme erheben – Autonom organisierte Magazine für und von geflüchteten Frauen und Migrantinnen

Sandrine Dora Ndedi & Dunia Dunaev (beide “Stimme Magazin“, Berlin)
Ort: Salle Mekatilili wa Menza // FR (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Das “Stimme Magazin” ist ein Rundumblick auf Frauen im Allgemeinen und Migrantinnen im Speziellen, die in immer größeren Zahlen ihr Land verlassen. Sie tun dies, aus dem Wunsch nach Emanzipation heraus, sich nicht mehr familiären Einschränkungen zu unterwerfen, um entwürdigenden kulturellen Riten zu entfliehen, um ein Studium anzufangen oder um sich ein anderes Leben anderswo aufzubauen. Seit 2012 sind 56 Prozent der ankommenden Geflüchteten Frauen. Als Frauen sind sie mit Diskriminierungen aufgrund ihres Geschlechts konfrontiert und erleiden die Traumata des Asyls in den Heimen, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Sie arbeiten oft in Teilzeit-Beschäftigungsverhältnissen und zu versetzten Zeiten, so dass Sozialkontakte selten sind. Dadurch leben sie isoliert, sind kaum über ihre Rechte informiert und haben deshalb Schwierigkeiten sich selbstbestimmt für ihre Bedürfnisse einzusetzen. „Stimme Magazin“ ist ein Projekt, das Frauen in juristischen, medizinischen oder sozialen Angelegenheiten und anderen Rahmenbedingungen des Überlebens in einem erstickenden System begleitet. Jede Art von Neugierde an unserem Projekt und unseren Ideen sind während des Workshops herzlich willkommen!

Dora Sandrine Ndedi ist Informatikerin und lebt in Potsdam. Sie ist in unterschiedlichen Gruppen in Berlin aktiv und Gründerin des Magazins „Stimme“. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Kämpfen für die Rechte von Frauen und die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in Deutschland und Kamerun.

Dunia Dunaev kommt aus Russland und war dort als Journalistin tätig. Sie ist jetzt Aktivistin in Berlin und Redakteurin des Magazins „Stimme“. Sie kämpft für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und deren Empowerment.

 

Gemeinsame Kämpfe und Strategien von Schwarzen/People of Color und Geflüchteten – und ihre Hindernisse

Adam Bahar (Aktivist der Geflüchtetenbewegung, Berlin) & Tahir Della (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Berlin)

Ort: Studio Frantz Fanon // DE (gedolmetscht in DE–FR–EN)

In den letzten 30 Jahren entwickelten sich zahlreiche Selbstorganisationen Schwarzer Menschen bzw. People of Color in der BRD, welche ihre Erfahrungen bezüglich Rassismus und Ausgrenzung zum Anlass nahmen, Strategien und Widerstand gegen rassistische Verhältnisse zu entwickeln. Über die Jahre wurde erkannt, dass die koloniale Erfahrung eine wichtige Rolle spielt und deren Aufarbeitung und Dekolonisierung zentral ist. Die Debatte um Migration und Flucht hat dieser Entwicklung einen neuen Schub verliehen und gleichzeitig wurde deutlich, dass die Communities der bereits seit langem hier lebenden Schwarzen/People of Color nicht sofort Anschluss fanden an die Refugee-Bewegung – und umgekehrt. Die Gründe hierfür sind sehr vielschichtig und stellen eine enorme Herausforderung im Kampf gegen kolonialrassistische Verhältnisse dar. Der Workshop, der von je einem Aktivisten der jüngeren Schwarzen Bewegung in Deutschland und einem der Refugee-Bewegung geleitet wird, beschäftigt sich zum einem mit der Herausbildung der beiden Bewegungen und zum anderen mit der Entwicklung von gemeinsamen Strategien angesichts von Hindernissen.

Adam Bahar kommt aus dem Sudan und ist seit 2012 in der BRD. Er ist seit 2012 aktiv in der Refugee-Bewegung sowie in anderen politischen Zusammenhängen.

Tahir Della wohnt in Berlin und ist Jahrgang 1962. Seit 1986/87 ist er als Aktivist in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) tätig. Seine Schwerpunkte sind unter anderem das jährliche Bundestreffen der ISD, die Kampagnen “Stop Racial Profiling”, Dekolonisierung des öffentlichen Raums und “No Blackfacing”.

 

Transnationale Verbindungen: Die Arbeit von “Voix des Migrants” in Kamerun und Europa

Fatou Katoufe & Trésor (Voix des Migrants)
Ort: Loge Thomas Sankara // FR (gedolmetscht in DE–FR–EN)

Warum machen sich Jugendliche auf den Weg, entscheiden sich für den Weg der Migration und müssen dabei manchmal sogar ihr Leben lassen? Wie kann man ein kollektives Bewusstsein schaffen zur Frage der Migration und zu den Ursachen von Flucht, nicht nur hier in Europa, sondern vor allem in Afrika? Das sind die Fragen, die sich die Gruppe „Voix des Migrants“ (VDM) nach ihrem Weg nach Europa und im Austausch mit Partner*innen und Migrant*innen gestellt hat. VDM wurde im Dezember 2013 in Deutschland von einer Gruppe von vier Migranten gegründet, die hauptsächlich aus Kamerun kommen. Dieses Kollektiv ist sehr aktiv und macht viele Kampagnen und Aktionen für die Rechte von Migrant*innen, aber genauso auch für die Öffnung von Grenzen und zu Fragen der psychischen Gesundheit. Verwurzelt vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, versammelt VDM ein großes Netzwerk von Partner*innen und Aktivist*innen. Weil sie größtenteils aus Kamerun kommen, ist es ihnen wichtig, den Blick auf dieses Territorium zu werfen, um die Ursachen ihrer Flucht zu verstehen. In diesem Workshop werden Aktivist*innen von VDM ihre transnationale Arbeit vorstellen und diskutieren.

Fatima Katoufe, in aktivistischen Kontexten besser bekannt als Fatou, lebt in Frankfreich und ist Teil der ersten Generation von Kindern von Einwanderern*innen marokkanischer Herkunft. Sie ist Gründerin von Cités Relais, einer Vereinigung für Migrantinnen, und Präsidentin des Vereins Voix des Migrants Frankreich und Teil der Initiative des Kameruner Projekts mit ihrem Landsmann, dem Aktivisten Trésor.

Trésor: Fast 10 Jahre hat es gedauert, bis Trésor in Europa angekommen ist. Er kennt die Wüste, das Meer und das Knastsystem in Algerien. Er ist Gründer der Organisation Voix des Migrants und aktiv beim Watch The Med Alarmphone und bei Afrique-Europe-Interact. Heute lebt er in Berlin und pendelt zwischen Deutschland und Kamerun.

 

Alternativen zum westlichen Entwicklungsmodell in der zapatistischen Bewegung

Gustavo Esteva (Menschenrechtler, Begleiter und Berater der Zapatisten, Mexiko Stadt), Miguel Angel Ruiz Martinez (Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen, Leipzig) & Miriam Trzeciak (Uni Cottbus)

Ort: Emiliano Zapata // Spanisch (gedolmetscht in DE–FR–EN)

1994 gab es im mexikanischen Chiapas einen Aufstand der Zapatistas, der sich gegen Neoliberalismus und die Ausbeutung der Indígenas richtete. In diesem Workshop analysieren wir die widerständigen Kämpfe und Veränderungsprozesse, die in den unterschiedlichen Lebensbereichen und Gemeindeaufgaben des zapatistischen Aufstandes („Juntas de Buen Gobierno“) eine Schlüsselrolle spielten. Wir argumentieren, dass diese vielfältige emanzipatorische Elemente enthalten und allmählich zur Etablierung von Alternativen zum westlichen Entwicklungsmodell beitragen. Diese emanzipatorischen Erfahrungen und tiefen Veränderungen finden sich nicht nur auf der materiellen Ebene. Sie finden sich auch bei sozialen und politischen Prozessen. Und sie prägen die Haltung gegenüber dem Leben und der Natur. Wir stellen Beispiele aus der Lebenserfahrung in den „Comunidades zapatistas“ vor und diskutieren die Herausforderung, die die Zapatist*innen für die Entwicklungslogik des westlichen Modells darstellen. Gustavo Esteva, der live aus Mexiko zugeschaltet wird, berichtet auch über die aktuellen politischen Perspektiven und Vorhaben der Zapatistas.

Gustavo Esteva ist mexikanischer Menschenrechtler und zivilgesellschaftlicher “deprofessionalized intellectual”, außerdem Begleiter und Berater der Zapatisten.

Miriam Trzeciak ist Aktivistin und Wissenschaftlerin an der brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Sie hat lange in Mexiko und Chiapas gelebt und dort vor allem aus einer kritischen, dekolonialen Perspektive zu Migration, Geschlecht und Entwicklung gearbeitet.

Miguel Angel Ruiz Martínez ist mexikanischer Menschenrechtler. Aktuell ist er in der Flüchtlingsarbeit und als Berater für migrantische Organisationen im Bereich der Entwicklungspolitik tätig.

 

Film: Kamerun – Autopsie einer Unabhängigkeit (Frankreich 2008, 52 Minuten),

Dokumentation von Valérie Osouf & Gaëlle Le Roy, 53 Minuten

Gespräch mit Rodrigue Péguy Takou Ndie & Richard Djif

Ort: Lottas Kaufladen (Erich-Köhn-Str. 68) // FR mit deutschen oder englischen Untertiteln

Zwischen 1955 und 1971 fand in Kamerun ein geheimer Krieg der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich statt. Ein Krieg, der Frankreichs Unabhängigkeit im Bergbau sowie im Energiebereich sichern sollte, der jedoch nicht nur ein Zehntel der kamerunischen Bevölkerung – mehrere hunderttausend Opfer! – aus dem Süden und Westen des Landes das Leben kostete. Vielmehr wurden auch die führenden Köpfe der von Ruben Um Nyobe gegründeten Unabhängigkeitsbewegung „Union des populations du Cameroun“ (dt. Union der Völker Kameruns) ermordet. Bis heute ist dieser Krieg in Frankreich als „Staatsgeheimnis“ eingestuft.

Rodrigue Péguy Takou Ndie stammt aus Kamerun. Er floh 2013 nach der Veröffentlichung eines kritischen Romans über Jugendarbeitslosigkeit nach Deutschland. 2015 veröffentlichte er in Frankreich ein Buch über den deutschen Kolonialismus im heutigen Kamerun, Anfang 2018 erscheint auf deutsch sein Roman über das Lagerleben von Geflüchteten in Deutschland. Heute ist er unter anderem bei Afrique-Europe-Interact aktiv.

Richard Djif stammt aus Kamerun und dort Theater- und Filmwissenschaften studiert. 2012 erschien sein Film „139… Die letzten Raubtiere” (Original: „Les derniers prédatuers“), eine Satire über Korruption und Unterdrückung in einem fiktiven afrikanischen Staat. Nachdem Richard nach der Veröffentlichung entführt, inhaftiert und gefoltert wurde, floh er 2013 nach Deutschland. Er lebt in Berlin, arbeitet als Regisseur für Film und Theater, Drehbuchautor, Schauspieler und ist bei Afrique-Europe-Interact aktiv.