20.00-22.00: Theater und Podiumsdiskussion

Theater “Eldorado – Europa”

Mit und von Riadh Ben Ammar (Afrique-Europe-Interact/Theater für Bewegungsfreiheit)
Ort: Saal May Ayim

Nach langem Hoffen und Bangen hat Sami sein Ziel erreicht: Europa. Dort trifft er jedoch auf eine völlig andere Realität als erwartet. Nach der Flucht aus einer erstarrten Gesellschaft Nordafrikas ist sein Alltag wieder von endlosem Warten und Perspektivlosigkeit geprägt, von Kriminalisierung und Rassismus. In seinem Stück „Eldorado – Europa“ beschreibt Riadh Ben Ammar auf fesselnde Weise, wie sich die europäische Migrationspolitik auf das Leben junger Nordafrikaner in ihren Herkunftsländern und Europa auswirkt.

Riadh Ben Ammar ist Künstler tunesischer Herkunft und politischer Aktivist bei Afrique-Europe-Interact.

Podiumsdiskussion: Kriminalisierung der Migration und Marshallplan mit Afrika – ein Gegensatz oder die beiden Seiten derselben Medaille?

Alassane Dicko (Afrique-Europe-Interact, Mali), Rex Osa (Refugees for Refugees, Stuttgart) & Napuli Paul Görlich (Aktivistin, Berlin)
Moderation: Nyima Jadama (Journalistin, Freiburg) & Olaf Bernau (Afrique-Europe-Interact)
Ort: Saal May Ayim // gedolmetscht in DE–FR–EN

Spätestens seit Geflüchtete und Migrant_innen im Sommer 2015 das europäische Grenzregime vorübergehend aus den Angeln gehoben haben, ist seitens der EU-Regierungen viel von “Fluchtursachen” die Rede. Diese müssten durch milliardenschwere Entwicklungsprogramme “bekämpft” werden (beispielsweise durch einen “Marshallplan”), nur so sei verhinderbar, dass weitere Menschen Richtung Europa aufbrechen würden. Das klingt erst mal nicht schlecht. Aber bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass es quasi ausschließlich um die Abwehr von Geflüchteten geht. Entsprechend arbeitet die EU sogar mit verbrecherischen Regierungen zusammen, etwa im Sudan, in Äthiopien oder jüngst in Libyen. Hinzu kommt, dass in der Debatte meist grundlegende Ursachen für die desaströsen Verhältnisse im globalen Süden ausgeblendet werden – vor allem die Gründe für Flucht, die mit dem kapitalistischen Wachstumsmodell des globalen Norden zu tun haben (wie ungleicher Handel, Ressourcenraub im großen Stil, ökologische Zerstörung etc.). Auch bleibt die Frage unbeantwortet, welche Art von Entwicklung überhaupt gefördert werden soll. In diesem Sinne wollen wir über die Frage diskutieren, wie die verschiedenen Strategien der EU-Regierungen zusammenhängen.

Alassane Dicko ist ausgebildeter Informatiker. 2006 wurde er aus der Elfenbeinküste nach Mali vertrieben, woher seine Eltern ursprünglich stammten. In Bamako hat er die Assoziation der Abgeschobenen (AME) mit aufgebaut, seit 2010 ist er Pressesprecher der malischen Sektion von Afrique-Europe-Interact.

Rex Osa ist Refugee-Aktivist und aktiv beim Netzwerk Refugees4Refugees in Stuttgart sowie bei der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrant_innen. Auch war er zehn Jahre bei The VOICE Refugee Forum. Rex Osa kam 2005 von Nigeria nach Deutschland und engagiert sich seitdem gegen Isolierung, Kriminalisierung und Abschiebung von Migrant_innen und Geflüchteten.

Napuli Paul Görlich ist Aktivistin aus dem Sudan und lebt in Berlin. Sie kämpfte während des Protestcamps am Oranienplatz für die Rechte von Geflüchteten und leitet die NGO Blacks and Whites Together for Human Rights. Sie hat als Mediatorin für Gewaltfreiheit gearbeitet und setzt sich für Genderfragen und Menschenrechte ein.


Film: Concerning Violence (Regie: Göran Hugo Olsson, Schweden/USA/Dänemark 2014, 85 Minuten)

Ort: Lottas Kaufladen (Erich-Köhn-Str. 68) // EN mit deutschen Untertiteln

Auf der Grundlage von Frantz Fanons berühmtem antikolonialem Werk “Die Verdammten dieser Erde“ erzählt der Film vom bewaffneten Widerstand, der zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollte. Olsson konzentriert sich dabei auf Archivmaterial, das schwedische Dokumentarfilmer und Fernsehjournalisten zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen haben. Aufnahmen von der Befreiungsbewegung in Angola, der Frelimo in Mozambique und dem Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau werden dokumentarische Bilder von schwedischen Missionaren in Tansania und einem Streik in einer schwedischen Mine in Liberia gegenübergestellt. Die Musikerin Lauryn Hill erweckt die polarisierenden Texte Fanons zum Leben, die das Bildmaterial strukturieren und kommentieren.