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Abstract: The paper enters the vast debate on capitalism and religion and offers a discrete interpretation of their relationship. On the one hand, it is questioned to consider capitalism as a secularized social system in which religions do no longer play a dominant public role, although its historical rise may have been influenced by religious movements. On the other hand, the presently influential thesis of a revival of religions is regarded as insufficient, because it hardly transcends a phenomenal level of analysis. Here, almost everything is counted as a religion that calls itself such. The text outlines the idea that the place of religion in modern societies can be filled not only by manifest religious systems of meaning, but also by nominally non-religious ones. Following Marx and Benjamin, it is argued that the capital form of money can take the function of such a latent religion, a thesis that is further elaborated on with reference to Paul Tillich ́s concept of the demonic.

Zusammenfassung: Der Text präsentiert einen eigenen Vorschlag auf dem weiten Feld der Debatten über das Verhältnis von Kapitalismus und Religion. Zum einen wird die gängige Lesart hinterfragt, wonach es sich beim Kapitalismus um ein säkularisiertes Sozialsystem handelt, in dem Religionen keine dominante öffentliche Rolle mehr spielen, auch wenn diesen eine Bedeutung für die Entstehung des Kapitalismus zugesprochen werden mag. Zugleich und zweitens werden die gegenwärtig prominenten Thesen eines Revivals der Religionen als nicht hinreichend ausgewiesen, weil sie auf einer oberflächlichen Ebene argumentieren und alles als Religion gelten lassen, was sich als solche proklamiert. Als Alternative wird die Idee entfaltet, dass der Platz der Religion in modernen Gesellschaften nicht nur durch manifest religiöse Sinnsysteme ausgefüllt werden kann, sondern auch von solchen, die dem Namen nach nicht-religiös sind. Im Anschluss an Marx und Benjamin wird argumentiert, dass die Kapitalfunktion des Geldes die Funktion einer solchen latenten Religion einnehmen kann, was dann durch Bezugnahme auf Paul Tillichs Konzept des Dämonischen präzisiert wird.

Working Paper 02/2013 der DFG-KollegforscherInnengruppe Postwachstumsgesellschaften