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Abstract: Es versteht sich von selbst, daß Gier nichts ist, was wir mühsam erlernen müssen. Sozialpsychologische Studien zeigen: wo es viel zu holen gibt, wird viel geholt – unabhängig davon, ob das langfristig klug ist oder nicht oder anderen schadet oder nicht. Diesem Impuls nicht nachzugehen, also Verzicht zu leisten, ist genau das: eine menschliche Kultur-Leistung, die uns etwas abfordert, das im Gegensatz zur Gier tatsächlich menschliches Lernen und Sublimierenkönnen voraussetzt: eben zu verzichten, was wiederum Einsichtsfähigkeit voraussetzt. Wenn wir also der Frage nachgehen wollen, „welche historischen Entwicklungen und Mechanismen“ zu einer „blinden Wachstumsabhängigkeit von Politik und Institutionen geführt“ haben, wie es in der Beschreibung des Themenstrangs „Gesellschaft organisieren“ heißt, dann müssen wir die in einer solchen „blinden Wachstumsabhängigkeit“ wirksame Psychodynamik verstehen. Dies soll in der vorliegenden Arbeit versucht werden, und zwar indem die ‚psychodynamische Karriere’ der Atomenergie seit den 1940er Jahren bis heute nachgezeichnet und analysiert wird. Aus dieser Analyse ergeben sich schließlich Einsichten darüber, wie entsprechende strukturelle psychische Veränderungen auf individueller und kollektiver Ebene funktionieren könnten.