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Aus dem Artikel: Wirtschaftswachstum gab es nicht immer. Wie konnte es also zur mächtigsten Rechtfertigungsideologie des Kapitalismus werden?

. . . Wirtschaftswachstum erscheint so selbstverständlich, dass leicht vergessen wird, dass nicht nur die Realität ökonomischer Expansion, sondern auch Wachstumsdiskurse erstaunlich neue Phänomene sind. Relevante Wachstumsraten gab es erst seit der kapitalistischen und auf fossilen Brennstoffen basierenden Industrialisierung im 18. Jahrhundert.

Die Konzentration auf Wachstum im modernen Sinne setzte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch. Die internationale Standardisierung der Statistiken, die das Bruttoinlandsprodukt definieren, ermöglichte seit den 1940er Jahren eine über Zeit und Raum vergleichbare und einheitliche Konzeption „der Wirtschaft“. Dadurch wurde überhaupt erst messbar, was wachsen sollte: die Summe der Markttransaktionen im Rahmen nationalstaatlicher Grenzen. . . .