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Interview mit Lyda Fernanda Forero im Rahmen des Klimacamps und der Degrowth-Sommerschule im Rheinischen Braunkohlerevier 2015.

Aus dem Interview: Sie können Natur nicht messen. Wie ließe sich zum Beispiel der Wert des Bestäubens einer Pflanze durch eine Biene bestimmen? Wer wollte sagen, wie viel Leben Wasser erzeugt? Es ist nicht zu bemessen. Die Absicht, natürliche Prozesse in Zahlen zu fassen, ist der Versuch, ein sehr komplexes System zu vereinfachen. Zu diesem Zweck wird die Natur von der Gesellschaft isoliert und ihrer Beziehung zum Menschen enthoben, obwohl es unmöglich ist, beides voneinander zu trennen. Erschwerend kommt hinzu, daß man ihr einen Preis gibt und sie zur Ware macht, um mit ihr Handel zu treiben. Indem man ihr einen Geldwert zuschreibt, wird ihre Käuflichkeit und Ersetzbarkeit unterstellt. Das macht keinen Sinn, denn das bereits Zerstörte kann nicht ersetzt werden.
Das ist unsere Kritik an der Inwertsetzung der Natur. Kohlenstoff ist ein Beispiel dafür. Indem man davon ausgeht, daß CO2 bemeßbar und damit äquivalent zu anderen Treibhausgasen ist, wird dies in Geldwert übersetzt. Es ist aber lediglich ein Weg, sich die Erlaubnis für weitere klimaschädliche Emissionen zu verschaffen, anstatt die Ursache für die Emissionen zu beseitigen.

Interview/080 aus der Rubrik “Bürger/Gesellschaft” > “Report” von der Zeitung Schattenblick

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