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Die ohnehin hohe Steuer- und Abgabenlast auf den Faktor Arbeit steigt weiter, Umweltverschmutzung wird dagegen günstiger. Steuern und Abgaben auf den Faktor Arbeit tragen zu 63,4 Prozent zu den Staatsfinanzen bei fast ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Umweltsteuern hingegen leisten nur einen geringen Beitrag zu den Staatsfinanzen. Ihr Anteil ist in den vergangenen Jahren weiter auf 4,9 Prozent zurückgegangen. Auch der Anteil der Kapitalsteuern sinkt leicht von 12,8 Prozent im Jahr 2013 auf 12,4 Prozent. In den 60er Jahren hatten Kapitalbezogene Steuern noch über 20 Prozent der Staatseinnahmen ausgemacht. Das deutsche Steuer- und Abgabensystem setzt damit massive Anreize zum Abbau von Arbeitsplätzen. Die Anreize zur Vermeidung von Umweltbelastung sind dagegen vergleichsweise gering. Auch die zunehmende Ungleichverteilung wird immer weniger ausgeglichen.
Auf dem Höhepunkt der von der rot-grünen Bundesregierung ab 1999 umgesetzten Ökologischen Steuerreform im Jahr 2003 erreichten Umweltsteuern einen Anteil von 6,5 Prozent. Seitdem ist ihr Anteil jedoch wieder stark rückläufig, was mehrere Ursachen hat. Zum einen ist der Rückgang auf die gewünschte ökologische Lenkungswirkung zurückzuführen. Zum anderen führt die Inflation aufgrund der verschiedenen Steuerarten zu einer graduellen Verlagerung der Steuerlast. Während die meisten Steuern auf Arbeit, Kapital sowie die Mehrwertsteuer preisbezogen konzipiert sind und somit mit der Inflation mitwachsen, ist der Verbrauch natürlicher Ressourcen mit Mengensteuern belegt. Letztere werden durch die Inflation also permanent abgewertet.
Eine Trendwende konnte auch durch weitere ökofiskalische Maßnahmen, die von der großen sowie der christlich-liberalen Koalition seit der Ökologischen Steuerreform umgesetzt wurden, nicht herbeigeführt werden. Der Umweltsteueranteil im Jahr 2014 lag stattdessen mit 4,9 Prozent sogar unter dem Niveau der Jahre vor der Ökologischen Steuerreform. Dieser Trend trifft auch für eine weite Definition von ökologischen Lenkungssteuern und -abgaben zu, die auch Einnahmen aus dem Emissionshandel, der Lkw-Maut bis hin zur Tabak-Steuer berücksichtigt. Auch nach dieser Darstellungsweise ist der Anteil seit 2003 von 9,5 Prozent auf 7,4 Prozent im Jahr 2014 deutlich gesunken.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, schlägt das FÖS eine Ökologisierung der Steuer- und Abgabenpolitik vor. Mit einer Ökologischen Finanzreform im Umfang von mittelfristig 50 Mrd. Euro könnten die Steuerlast auf den Faktor Arbeit deutlich vermindert und Anreize für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise geschaffen werden. Dies würde auch eine Ausrichtung der Steuerpolitik hin auf die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung bedeuten. Die Energiewende krankt bisher vor allem an mangelnden Fortschritten in Sachen Energieeffizienz. Mit einer Verlagerung der Steuer- und Abgabenlast weg von Arbeit hin zu Umweltverbrauch werden wichtige Anreize für mehr Energieeffizienz geschaffen.