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RosaLux 2/2012 zum Thema «Rio+20: Konferenz ohne Zukunft». Mit Beiträgen von Ulrich Brand, Kathrin Buhl, Kristina Dietz, Sandra Quintela, Marcus Wissen und anderen.

Rosa Luxemburg Stiftung: Die Aufmerksamkeit für ökologische Themen ist sehr wechselhaft. Kurze Phasen einer geradezu übersteigerten, aufgeregten Dominanz in den Medien wechseln sich ab mit einem mehr oder weniger starkem Desinteresse. Der Problematik des Themas wird dies in keiner Weise gerecht. Mal ist der Klimawandel ein beherrschendes politisches und mediales Thema, wie zum Beispiel nach der Veröffentlichung des Stern-Reports Ende 2006. Dann wieder dominiert, zumindest in Deutschland, das Thema Atomenergie die Agenda wie im vergangenen Jahr nach der Katastrophe von Fukushima.
Sicherlich haben die Themen Ökologie, Nachhaltigkeit, Energiewende und Begrenzung des Klimawandels kontinuierlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Doch mangelt es den politischen Debatten im Mainstream aus unserer Sicht an Konsequenz und Radikalität. Sie gehen uns zu wenig an die Wurzeln industrieller und marktradikaler Wachstumsmodelle. Weltweite Verteilungsfragen innerhalb der Gesellschaften wie zwischen den Staaten, aber auch Demokratisierung und Dezentralisierung etwa in der Energiepolitik – das sind einige der Zugänge, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Thema Rio+20 besonders interessieren. Die Konferenz von Rio de Janeiro 1992 reihte sich ein in eine Kette von UNO-Konferenzen in den frühen und mittleren 1990er Jahren. Zusammen mit dem Weltsozialgipfel in Kopenhagen oder der Pekinger Weltfrauenkonferenz schienen sie eine gewisse Hoffnung auf eine Revitalisierung der UNO im Geiste von 1945 auch jenseits des Sicherheitsrates und militärischer Fragen auszudrücken. Davon ist wenig geblieben. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist seit nunmehr fast zehn Jahren mit einem Büro in Brasilien vertreten. Ihr Blick richtet sich gegenwärtig nicht nur auf Rio+20, sondern bereits jetzt auf die Olympischen Spiele und die Fußballweltmeisterschaft, die Brasilien 2014 und 2016 ausrichten wird. Im Fokus stehen dabei insbesondere auch die sozialen, stadtplanerischen und sicherheitspolitischen Auswirkungen dieser Großereignisse.